Bericht zum 18. Forum "KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT"

15.06.2018

Zu unserem 18. Forum KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT, welches am 15. Juni 2018 im Lebensraum in Bregenz stattfand, durften wir ca. 15 Personen begrüßen. Obwohl diesmal in einer etwas kleineren Runde, tat dies der Lebendigkeit keinen Abbruch. Es wurde wieder viel diskutiert und es bestand ein sehr reger Austausch zwischen den Mitgliedern. Zu bereden gab es mehr als genug:

Tanja Moser – Hummelhof, Bürserberg:

Den Beginn machte Tanja Moser vom Hummelhof in Bürserberg. Wenn man Tanja Moser zuhört, hat man das Gefühl, dass der Tag dieser quirligen, lebendigen Frau mehr als 24 Stunden haben muss.  Sie führt in Bürserberg einen Biobetrieb, den sie von ihren Eltern übernommen hat. Weiters arbeitet sie als Pädagogin mit Jugendlichen zusammen, zudem fertigt sie noch Kunstwerke aus Glas. In ihrem Biohof hält sie unter anderem Kühe in muttergebundener Aufzucht, die Kälber dürfen also bei ihren Müttern bleiben. Zudem produziert Tanja Moser handgefärbte Wolle und Wolleprodukte aus ihrer eigenen Kaschmir- und Mohairziegenherde. Alle Produkte sind ohne Synthetik, die Wolle wird selber gefärbt. Alle Tiere, die bei Tanja Moser vom Hof gehen, werden selber vermarktet. Sie bringt auch jedes ihrer Tiere selber zum Schlachthof, denn so hat sie die Kontrolle darüber, dass bis zum Schluss mit ihren Tieren respektvoll umgegangen wird. In Zukunft möchte Tanja Moser auch Jugendliche aus dem 2. Arbeitsmarkt auf ihrem Hof beschäftigen, um ihnen – pädagogisch begleitet - den Übergang in das Berufsleben zu erleichtern. Sie hat im Vorjahr zu diesem Zweck ihren Stall umgebaut und damit auch die entsprechenden Möglichkeiten und Räumlichkeiten dafür geschaffen. Neben der Wolle stellt Tanja Moser auch Seife her. Sie möchte alles, was der Hof hergibt, zu Produkten verarbeiten. So ist sie auch auf Biomärkten anzutreffen, wo sie ihre Produkte zum Kauf anbietet. Im Anschluss an ihre Präsentation beantwortete Tanja Moser zahlreiche Fragen der interessierten Forumsbesucher. Herzlichen Dank an Tanja Moser für ihre Ausführungen!

Julia Spieler – S’Fachl Dornbirn:

Den zweiten Vortrag hielt Julia Spieler, Geschäftsführerin beim S’Fachl Dornbirn. Das Fachl bietet im Kreativ, Design- und Schmankerlbereich Designern und Herstellern, sowie Kleinstproduzenten die Möglichkeit, sich mit einer eigenen Fläche zu präsentieren und ihre Produkte anzubieten. Dafür können einzelne Fächer (in Form von Obstkisten) angemietet werden. Die S‘Fachl-Geschäfte stellen an den jeweiligen Standorten VerkäuferInnen und die Infrastruktur. Damit dies alles reibungslos funktioniert, gibt es eine spezielle „Fachlsoftware“, mit Hilfe derer jeder einzelne Produzent separat abgerechnet wird. Das erste Fachl-Geschäft hat im Juli 2016 in Wien eröffnet, seither sind zusätzlich Geschäfte in Salzburg, Villach, Graz, Linz, Klagenfurt und nun eben auch in Dornbirn entstanden. Zudem gibt es sogar einen Fachl-Webshop, wo Produkte auch online vertrieben werden können. In Dornbirn steht auch die Allmenda hinter dem Projekt, die das Ganze mitfinanziert. Drei Teilzeitverkäuferinnen sind in diesem Geschäft angestellt und es stehen insgesamt 300 Fächer zur Verfügung, die von Kleinstproduzenten zum Verkauf ihrer Ware angemietet werden können. Weiters existiert in der Zwischenzeit auch ein „S’Fachl-Eck“ in Sulz im Brockenhaus. Bei „S-Fachl-Ecken“ handelt es sich um einzelne „Fachl“, die in bereits bestehenden Geschäften und Institutionen platziert werden. Im Brockenhaus in Sulz wird der Verkauf der Fachl-Produkte von VerkäuferInnen des Brockenhauses durchgeführt und betreut. Die Fachl selbst werden von den Mietern selber gestaltet und dekoriert. Die Mieter können online die Bestände und die Erlöse ihrer Produkte abfragen. Zusätzliche Informationen zu dem tollen „S’Fachl-Projekt“ sind im Internet unter https://www.fachl.at/ zu finden. Wir vom Verein finden diese Idee super, zumal eines unserer Prinzipien lautet, dass Produkte, die in kleinen Einheiten produziert werden, bevorzugt werden sollten. Auf diese Weise ist der Weg zwischen Produzenten und Konsumenten kurz und das Geld bleibt zumeist beim Erzeuger. Wir bedanken uns bei Julia für ihre detailreichen Ausführungen zu diesem neuen Geschäftsmodell.

Bertram Martin – Initiative Ludesch:

Wie bereits in den Medien angekündigt, plant die Firma Rauch sowie das US-Unternehmen Ball, welches Aludosen für Rauchs Red-Bull-Abfüllung herstellt, eine umfangreiche Betriebserweiterung in Ludesch. Geht es nach den Plänen der Getränkehersteller, soll diese Betriebserweiterung bis zu 16 Hektar an Gesamtfläche umfassen. Es handelt sich dabei um besten landwirtschaftlichen Boden, der hier verbaut werden soll. Inzwischen ist in Vorarlberg fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen verbaut. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird es bezüglich des Nahrungsmittelanbaus in Vorarlberg sehr kritisch werden, da kaum mehr Flächen dafür zur Verfügung stehen werden. Um gegen dieses Projekt vorzugehen, hat sich in den letzten Wochen die parteiunabhängige „Initiative Ludesch – für einen lebenswerten Walgau“ formiert.

Es sollten durch die Betriebserweiterung in Ludesch ca. 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Dies würde bedeuten, dass pro Arbeitsplatz 600 m² Boden verbaut werden sollten. Den Initiatoren der Bürgerinitiative Ludesch ist es wichtig, dass eine Diskussion entsteht. So könnte man sich fragen, ob es nicht platzsparendere Varianten gibt oder ob die Abfüllanlage nicht an einem Standort gebaut werden kann, wo der Boden nicht so wertvoll ist. Die Initiative Ludesch plant, Rundschreiben an Interessierte zu versenden. Weiters sind Veranstaltungen und Aktionen geplant. Ziel ist, dass es zu einer öffentlichen Diskussion kommt und die Bevölkerung hier mitreden kann. Denn die Politik wird aus Erfahrung nur dann hellhörig, wenn die Stimmung in der Bevölkerung kippen könnte. Wir bedanken uns bei unserem langjährigen Mitglied Bertram Martin für seine Schilderungen und Ausführungen zu dieser wichtigen Initiative!

Ausklang:

Nach diesen 3 Vorträgen, gab es wieder ausreichend Zeit für Austausch und Gespräche. Im Anschluss hatten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, auf ihre eigenen Veranstaltungen hinzuweisen. So bedankte sich Eva Riedl herzlich bei Joachim Breuss und Harald Mark für deren Hilfe und Unterstützung beim Aufbau des Repaircafés in Bregenz. Und Wilfried Flatz stellte das interessante Wohnprojekt „Nena-V“ vor (siehe dazu www.nena-v.at). Hubert beendete schließlich die Veranstaltung mit einem Ausblick auf die kommenden Vereinsveranstaltungen. Wir ließen den Abend bei Keksen, gefülltem Brezel und feinen Getränken gemütlich ausklingen. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Teilnehmenden für diesen wiederum gelungenen Abend! 

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