Bericht Empfang zum Internationalen Tag der Mutter Erde 2019

10.04.2019 - Dornbirn

Am 10. April 2019 luden wir von KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT gemeinsam mit der Fachhochschule Vorarlberg, dem Naturschutzbund, Verein Bodenfreiheit, Klimabündnis Vorarlberg, Bodenseeakademie, Bio Vorarlberg, Klimacent und der Caritas zu einem Vortrag von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein zum Thema „Wohin mit Landwirtschaft und Ernährung? Die Zukunft gehört stabilen Systemen“. Es freut uns außerordentlich, dass die Aula der FH Vorarlberg bis auf den letzten Platz mit Interessierten gefüllt war, darunter auch zahlreiche Landwirte. Sogar um die Stehtische versammelten sich BesucherInnen, um dem hochkarätigen Vortrag von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein zu lauschen. Dr. Felix Prinz zu Löwenstein ist ein deutscher Agrarwissenschaftler und Biolandwirt. Ebenso ist er bekannt als Kritiker der industriellen Landwirtschaft.

Zusammenfassung des Vortrags:

Zu Beginn seines Vortrags führte Herr Dr. Felix Prinz zu Löwenstein den Stickstoffkreislauf aus. Stickstoff ist wichtig für das Pflanzenwachstum und ist ein Hauptbestandteil von Düngemitteln. Mit Stickstoffdüngung lassen sich die Erträge aus der Landwirtschaft wesentlich steigern. Es landet aber nur ein Teil des Stickstoffs in der Pflanze selber. Der Überschuss reichert sich im Boden an, ebenso im Wasser und in der Atmosphäre. Trinkwasser wird in der Folge unbenutzbar. Aus diesem Wasser muss dann mit technischen Mitteln sehr aufwändig und teuer das Nitrat wieder herausgefiltert werden, damit dieses wieder als Trinkwasser verwendet werden kann. Ebenso trägt die Anreicherung von Stickstoff in der Atmosphäre wesentlich zum Klimawandel bei. Weiters zerstört Stickstoff die Weltmeere, sodass dort bei hoher Stickstoffkonzentration nichts mehr leben kann. "Dies ist das erste Problem, mit dem man sich auseinandersetzen muss, wenn man über ein System der Landwirtschaft in der Zukunft nachdenkt", führt Herr Dr. Felix Prinz zu Löwenstein zu diesem Thema aus.

Das zweite Thema, über das Herr Dr. Löwenstein sprach, war der Klimawandel. Die Folgen des Klimawandels sind gerade für jene Menschen am Drastischsten, welche am wenigsten dazu beitragen, sprich, Menschen aus ärmeren Gebieten. Die Landwirtschaft ist einerseits betroffen vom Klimawandel (z.B. spüren dies die philippinischen Bauern sehr stark, bei denen immer brutalere Zyklone wüten), andererseits ist die Landwirtschaft auch Täter des Klimawandels. Wie Landwirtschaft betrieben wird oder nicht, hat wesentlich mit dem Ausstoß von Treibhausgasen zu tun. Die Landwirtschaft kann hier wesentlich zu einer Verbesserung der Situation und der Bindung von CO² beitragen durch die Bildung von Humus. Humus ist – vereinfacht gesagt – ein Teil der Bodensubstanz, nämlich abgestorbene und durch Kleintiere und Mikroorganismen verrottete Pflanzenzteile. Wegen des Humus ist im Boden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff enthalten wie CO² in der ganzen Atmosphäre. Deswegen spielt der Humushaushalt der Böden eine wichtige Rolle, auch für das Erdklima. Eine Ausweitung des Biologischen Landbaus trägt dazu bei, dass wieder langfristig Humus im Ackerboden aufgebaut und der Atmosphäre dadurch wieder vermehrt Kohlenstoff entnommen wird.  

Ein weiteres Thema, das Herr Dr. Löwenstein in seinem Vortrag angesprochen hat, ist die Biodiversität. So ist die Insektenbiomasse zwischen 1989 und 2013 um 75% zurückgegangen. Dadurch finden auch die Vögel kein Futter mehr und gehen in ihren Beständen sehr stark zurück. Dies bekommen wieder größere Säugetiere zu spüren, denen Futter fehlt. In unserem Ökosystem hängt alles mit allem zusammen, wir als Menschen sind am Ende der Nahrungskette angesiedelt. Somit kann man sich ausrechnen, was diese Entwicklung am Ende für Folgen auch auf uns Menschen haben wird.

In einem Exkurs zum Thema Pestizide kam Dr. Felix Prinz zu Löwenstein auch auf Glyphosat zu sprechen. Er führte aus, dass Glyphosat eigentlich ein Antibiotikum ist, es tötet Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten bei Mensch und Tier. Durch das Töten all dieser Lebewesen wird Raum geschaffen für Organismen, die dagegen resistent sind und gegen die es dann keine Wirkstoffe mehr gibt, um sie zu bekämpfen.

Auch der hohe Fleischkonsum ist bei Herrn Dr. Löwenstein ein Thema. Bei der industriellen Tierhaltung ist zu sehen, wie mit Mitgeschöpfen umgegangen wird, für die wir eigentlich verantwortlich wären, und wie diese Lebewesen wie Fabrikstücke gehandelt und behandelt werden, damit sie eine hohe Leistung abgeben. Die Art, wie wir uns ernähren, hat auch Einfluss darauf, wie anderswo (z.B. in Argentinien auf den riesigen Rinderfarmen) Nahrung erzeugt wird. Durch den Abschluss weiterer Welthandelsabkommen wird dann solches Rinderfleisch zollfrei importiert werden können und auf unseren Tellern landen.   

Lösungen:

"Wir müssen neue Systeme finden als Lösung für unsere bestehenden Probleme", merkte Herr Dr. Löwenstein an. Das Anpflanzen von verschiedenen Sorten verhilft erheblich zur Stabilität der Pflanzen, ohne dass Spritzmittel verwendet werden müssen. So ist das Wissen, wie Pflanzen untereinander agieren, äußerst wertvoll und führt zu einer reichen Ernte ohne Spritzmittel und Düngemittel. Wir sollten außerdem nicht nur darüber nachdenken, wie Spritzmittel durch Technik ersetzt werden kann, sondern vor allem auch darüber, wie stabile Systeme erreicht werden können. Pioniere auf diesem Gebiet sind Ernst Götsch (Syntropie – siehe z.B. https://www.luzernerzeitung.ch/international/schweizer-revolutioniert-landwirtschaft-ld.1028512) und auch der mittlerweile verstorbene North Face Gründer Doug Tompkins (siehe https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/doug-tompkins-schoepfer-des-bioparadieses/7814372.html). Neben all diesen Punkten erwähnte Herr Dr. Löwenstein auch soziale Innovationen, wie die soziale Landwirtschaft, wenn z.B. Menschen sich an einer Genossenschaft beteiligen, den Bauern Geld geben und anschließend ihm die Erträgnisse in Form von Obst und Gemüse abnehmen oder auch Gemüsekisten abonnieren.

"Es ist höchste Zeit, dass wir und unsere Generation klare Antworten darauf geben, wie wir mit der Frage umgehen, was mit den Ressourcen unserer Kinder passiert", meinte Herr Dr. Felix Prinz zu Löwenstein zum Abschluss.

Nach einer ausführlichen Frage-Antwort-Runde, ließen wir den Abend bei Biogetränken, gesponsert von der FH Vorarlberg, sowie Biobrötchen von der Backkultur Rupert Lorenz in anregenden Gesprächen gemütlich ausklingen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dr. Felix Prinz zu Löwenstein für seinen spannenden Vortrag, sowie bei allen Beteiligten, die zum Gelingen dieser tollen Veranstaltung beitragen haben. Ein weiterer Dank geht für die tolle musikalische Begleitung an das Duo Torres-Delis! Herzlichen Dank!

Bericht von Silke Giesinger

Der gesamte Vortrag kann hier nachgesehen und nachgehört werden: 
https://www.fhv.at/media/video/190410_Mutter_Erde_Loewenstein.mp4

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