Bericht zum 6. Vorarlberger Tag der Menschenrechte

15.12.2019 - Spielboden Dornbirn

Beim 6. Vorarlberger Tag der Menschenrechte trafen sich auch dieses Jahr wieder zahlreiche Organisationen und Vereine, die MitgliederInnen der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte sind, im Spielboden in Dornbirn, um sich einem interessierten Publikum zu präsentieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch KONSUMENTENSOLIDARITÄT – JETZT war mit einem Stand präsent. Hubert, Elisabeth und Silke haben über unsere Arbeit informiert und sind in einen regen Austausch mit den BesucherInnen gekommen. Unsere Taschen konnten bewundert werden, Broschüren wurden verkauft und neue Mitglieder wurden geworben.  

Um 17.00 Uhr trafen wir uns dann alle im großen Saal des Spielbodens für den Festakt. Die Frauen des Saxophonquartetts „Glissando“ begeisterten uns mit ihrem Können und sorgten für eine tolle musikalische Umrahmung. Die „poetry slammerin“ Sophia Juen führte gekonnt durch das Programm. Nach einer Begrüßung durch Peter Mennel, Sprecher der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte, stellten engagierte Mädchen und Frauen des Vereins Amazone ihr Projekt „Riddikulus“ vor, wo sie sich auf kreative Weise im Rahmen von Workshops mit Inhalten, Kommunikationsformen und Symbolen rechter und rechtsextremer Bewegungen auseinandersetzten.

Nach dieser Präsentation sprach die Hauptreferentin des Abends, Frau Dr. Franziska Schutzbach von der Universität Basel zum Thema „Wie den Menschrechten schleichend ihre Grundlage entzogen wird“. Frau Dr. Schutzbach ist auch Autorin des Buches „Die Rhetorik der Rechten – Rechtspopulistische Diskursstrategien im Überblick“. Sie weist unter anderem darauf hin, dass sich z.B. die Anhängerschaft der AfD in Deutschland nicht – wie oftmals angenommen - nur aus Menschen am sozialen Rande der Gesellschaft zusammensetzt, sondern zu einem viel größeren Teil von Menschen unterstützt wird, die im Wohlstand und in großer Sicherheit leben, und die sich in der politischen Mitte wähnen. "Es entspricht oftmals deren Weltbild, kein gerechtes System für alle anzustreben, sondern nur für ihresgleichen", merkt Frau Dr. Schutzbach an. Parteien wie die AfD in Deutschland schaffen nun ein Angebot, um dieses Weltbild zu vertreten. „Das Angebot verstärkt die Nachfrage“, führt Frau Dr. Franziska Schutzbach aus. Rechte Einstellungen werden immer öfter in der Mitte der Gesellschaft salonfähig.  

In der rechtspopulistischen Rhetorik wird viel mit Emotionen gespielt, wie z.B. mit der Angst. Es wird aber durch ein „gemäßigtes“ Auftreten auch an der Selbstverharmlosung gearbeitet. Das heißt, es werden die Dinge oftmals so formuliert, dass sie noch den formalen demokratischen Rahmen erfüllen und keine expliziten Rechtsbrüche darstellen.

Bezüglich der Gegenstrategien führt Frau Dr. Franziska Schutzbach aus, dass es sehr wichtig ist, Haltung zu zeigen, zu widersprechen und z.B. darauf hinzuweisen, dass eine bestimmte Aussage rassistisch ist, wenn man Zeuge wird, dass so eine getätigt wurde. Es reicht auch schon ein Widerspruch im Sinne von „Ich finde das falsch“. Wenn man beschließt, nicht nur Haltung zu zeigen, sondern auch in eine Diskussion einzusteigen, empfiehlt Frau Dr. Schutzbach, sich im Vorfeld auf so ein Gespräch gut vorzubereiten. Hilfestellungen dazu sind in der Broschüre „Haltung zeigen“, eine Publikation der Rosa Luxemburg Stiftung zu finden – siehe https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/Broschure_A6_Rechtspopulismus.pdf.

Nach einer Frage- und Diskussionsrunde mit Frau Dr. Franziska Schutzbach, präsentierte uns Sophia Juen zum Abschluss einen einfühlsamen Text über das gute Leben und die Verbindung zwischen den Menschen, die sich unter anderen in der Liebe zum Leben und dem Streben nach Freiheit zeigt. Am reichhaltigen tschetschenischen Büfett ließen wir den Abend anschließend gemütlich ausklingen.  

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